Aktuelle Nachrichten

3. Grundschul-Techniktagung
(09:50, 05.11.2019)

weiter lesen

DAT 2019
(10:22, 15.07.2019)

weiter lesen

Jahrestagung 2020
(09:52, 15.07.2019)

weiter lesen

Zur Situation des Sachunterrichts in Thüringen

Länderbericht zur Situation der Schul- und Ausbildungsfächer Sachunterricht und Schulgarten im Land Thüringen

Da – bundesweit einzigartig – in Thüringen auch das Fach Schulgarten unterrichtet und an der Universität Erfurt als Studienfach studiert werden kann, bezieht sich dieser Länderbericht auf die Schul- und Ausbildungsfächer Sachunterricht und Schulgarten.

Sachunterricht und Schulgarten als Schulfächer

Sachunterricht als Schulfach ist in Thüringen unter der Bezeichnung Heimat- und Sachkunde  in der Stundentafel verankert. Die Grundschulfächer Heimat- und Sachkunde, Schulgarten, Kunsterziehung, Musik und Werken umfassen in Klasse 1, Klasse 2 und Klasse 3 insgesamt 7 bis 8 Wochenstunden. Jedes dieser Fächer muss mindestens einmal pro Woche unterrichtet werden; Werken und Schulgarten können epochal erteilt werden. In Klasse 4 werden drei Unterrichtsstunden Heimat- und Sachkunde in der Woche unterrichtet.
Die Bildungsarbeit in der Thüringer Grundschule basiert im Wesentlichen auf den beiden sich gegenseitig ergänzenden Steuerungsinstrumenten:
- dem Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre
- den Thüringer Lehrplänen für die Fächer der Grundschule.
Der Lehrplan Heimat- und Sachkunde für die Grundschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang Grundschule ist unter folgendem Link aus dem Internet herunterzuladen:
  http://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=1264
Der Lehrplan Schulgarten für die Grundschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang Grundschule ist unter folgendem Link aus dem Internet herunterzuladen:
http://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=1268


Sachunterricht und Schulgarten als Studienfächer an der Hochschule

a) Studienfach Sachunterricht
Der Sachunterricht wird an der Universität Erfurt als Grundlegungsfach im BA-Studiengang mit der Hauptstudienrichtung „Primare und Elementare Bildung“ (180LP) und im MA-Studiengang Lehramt Grundschule (90LP) von allen Studentinnen und Studenten dieser Studiengänge (BA: ca. 250; MA: ca. 200) studiert. Ab WS 2013/2014 werden Lehramtsstudierende in den viersemestrigen Studiengang „Master of Education“ (120 LP) eingeschrieben.
Die Hauptstudienrichtung „Primare und Elementare Bildung“ im BA-Studiengang kann in zwei Varianten studiert werden. Die Variante „Grundschule“ bereitet auf das Berufsfeld Grundschule vor, indem die fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Grundlagen schulischen Lernens in den Grundschul-Unterrichtsfächern Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und gegebenenfalls Schulgarten und Werken erworben werden. Die Variante „Vor- und Au-ßerschulische Bildung“ bereitet auf Berufsfelder der vor- und außerschulischen Bildung vor, indem Grundlagen der primären Bildung in den Bereichen Sprache, mathematisches Denken, Weltwissen sowie der vor- und außerschulischen Medienpädagogik erworben werden. Das Studium der Primaren und Elementaren Bildung mit der Variante „Grundschule“ ist notwendige Voraussetzung für die Aufnahme in den Studiengang Master of Education.
Im BA-Studiengang umfasst der sachunterrichtsspezifische Anteil an der Hauptstudienrichtung „Primare und elementare Bildung“ mit dem Berufsfeldbezug Grundschule
- in der Orientierungsphase (1. Studienjahr) 3 Leistungspunkte, die im Modul „Grundlagen der Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik und Deutsch“ durch die Erschließung von „Grundlagen der Didaktik des Sachunterrichts“ (Vorlesung) erworben werden,
- in der Qualifizierungsphase (2. und 3.Studienjahr) 15 Leistungspunkte, die durch das Studium der Module „Fachliche Perspektiven des Sachunterrichts“ (9 LP) und „For-schungsfeld Sachunterricht“ (6 LP) erbracht werden.
Während das Modul „Fachliche Perspektiven des Sachunterrichts“ die fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit exemplarischen sachunterrichtsrelevanten Bildungsinhalten und fächerübergreifenden Themenfeldern intendiert, zielt das Modul „Forschungsfeld Sachunter-richt auf die Aneignung und Anwendung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Erforschung von Sachlernprozessen im Rahmen kooperativ geplanter, durchgeführter, re-flektierter und dokumentierter Forschungsprojekte. Neben diesen sachunterrichtsspezifischen Lehrformen bietet die BA-Arbeit (6 LP) eine weitere Möglichkeit der Auseinandersetzung mit sachunterrichtsrelevanten Fragestellungen.

Studierende, die im Rahmen ihrer Bachelor-Ausbildung die Variante „Vor- und Außerschuli-sche Bildung“ wählen, können nach der Orientierungsphase aus einem Wahlpflichtmodulka-talog verschiedene Module wählen, u.a. „Fachliche Perspektiven des Sachunterrichts“ oder „Sachlernprozesse im Elementarbereich“ oder „Sachlernprozesse im außerschulischen Kon-text“.

Im ab WS 2013/2014 gültigen Studiengang Master of Education umfasst der sachunter-richtsspezifische Anteil am Gesamtstudium 9 Leistungspunkte, die durch das Studium des Moduls „Fachdidaktik Sachunterricht“ erworben werden. Dieses Modul umschließt ein Fach-didaktikseminar (3 LP), einen Selbststudienanteil zur rekonstruktiven Fallarbeit (3 LP) sowie ein wöchentliches, universitär begleitetes Sachunterrichtspraktikum (3 LP) mit mindestens 45 Präsenzstunden in einer Grundschule.
Die Magisterarbeit (18 LP) kann im Studienfach Sachunterricht geschrieben werden.

b) Studienfach Schulgarten
Jährlich entscheiden sich zwischen 40 und 50 Studierende für eine Ausbildung im Studienfach Schulgarten. Da alle diese Studentinnen und Studenten auch das Fach Sachunterricht studieren, werden innerhalb des Studiums unter Anerkennung der je fachspezifischen Auf-gaben und Ziele immer wieder Vernetzungen fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Art zwischen beiden Fächern hergestellt. Die professionelle Ausbildung zukünftiger Schul-gartenlehrerinnen und -lehrer erfolgt im BA-Studiengang „Primare und Elementare Bildung“ und im MA-Studiengang Master of Education als Wahlmodul mit einem Umfang von 24 Leis-tungspunkten.
Im BA-Studiengang erwerben die Schulgartenstudentinnen und -studenten im Rahmen einer Vorlesung (3 LP) und mehrerer Seminare (12 LP) ökologische und gartenpraktische Grund-kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Planung, Gestaltung und Pflege ausgewählter Gartenelemente und setzen sich mit historischen Wurzeln und der aktuellen Bedeutung des Lernortes Schulgarten für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung auseinander. Im Master-Studiengang qualifizieren sie sich im Rahmen des Moduls „Fachdidaktik Schulgarten“ (6 LP) für die Planung, Gestaltung und Reflexion von Lehr-Lern-Prozessen im Schulgartenunterricht.

Sachunterricht und Schulgarten als Ausbildungsfächer am Studienseminar

Auf der Grundlage des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom 07.03.2013

i. d. F. vom 27.12.2013 werden Lehramtsanwärter/innen für das Lehramt an Grundschulen in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in einem dritten Fach ausgebildet. Das kann        u. a. das Fach Heimat- und Sachkunde sein.

Die fachspezifische Ausbildung wird mit dem Erwerb dienstrechtlicher, bildungswissenschaftlicher bzw. grundlegender pädagogischer Kompetenzen ergänzt.

Die zentrale Aufgabe der Ausbildung am Staatlichen Studienseminar - Lehramt an Grundschulen - ist es, Lehramtsanwärter/innen bestmöglich auf die Ausübung ihres zukünftigen Berufes vorzubereiten. Unterrichten, Erziehen, Beurteilen und Innovieren als Standards der Lehrerbildung sowie die daraus abgeleiteten Kompetenzen bilden das Fundament für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst. Die Lernorte Schule und Studienseminar werden eng miteinander verknüpft, sie ergänzen und bedingen einander.

a) Ausbildungsfach Sachunterricht

Die Dauer des Vorbereitungsdienstes beträgt grundsätzlich 18 Monate.

Werden während der ersten Phase der Lehrerbildung absolvierte Praktika oder schulpraktische Studien nachgewiesen, die vom Umfang und Inhalt eine Anrechnung auf den Vorbereitungsdienst ermöglichen, wird der Vorbereitungsdienst für ein Lehramt um bis zu sechs Monate verkürzt.

Die Lehramtsanwärter/innen mit dem Ausbildungsfach Heimat- und Sachkunde besuchen im Vorbereitungsdienst Pflichtseminare und Wahlpflichtveranstaltungen. Die Seminare umfassen in der Regel einen zeitlichen Rahmen von drei Zeitstunden. Während der Beratungsbesuche durch den zuständigen Fachleiter/ die zuständige Fachleiterin werden die Seminarinhalte im Rahmen von Beratungsgesprächen und bezogen auf die individuellen Lernbedürfnisse der Lehramtsanwärter/innen vertieft. Darüber hinaus arbeiten die Lehramtsanwärter/innen an individuellen Lernaufgaben, die das Fach betreffen.

Die Ausbildung im Fach Heimat- und Sachkunde basiert auf dem entsprechenden Ausbildungscurriculum. Im Mittelpunkt der Seminararbeit steht neben der Vertiefung der an der Universität erworbenen fachwissenschaftlichen Grundlagen die didaktisch- methodische Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im Fach Heimat- und Sachkunde.

An den Schulen unterrichten die Auszubildenden im Rahmen der Ausbildung im dritten Fach in der Regel wöchentlich 2- 3 Heimat- und Sachkundestunden. Dabei werden sie von fachbegleitenden Lehrer/innen sowie von den Fachleiter/innen des Staatlichen Studienseminars beratend unterstützt. Im Zentrum der Unterrichtsbesuche der zuständigen Fachleiter/innen steht die personenorientierte Beratung der Lehramtsanwärter/innen. Zu den Inhalten dieser Beratungen gehören die reflexive Auseinandersetzung mit der Planung und Durchführung des gezeigten Heimat- und Sachkundeunterrichts. Thematisiert werden können weiterer individuelle fachwissenschaftliche, -didaktische und/ oder methodische Schwerpunkte, die sich aus der Stunde ergeben.

Benotete Lehrproben, die Praktischen sowie Mündlichen Prüfungen finden jeweils in zwei der drei Ausbildungsfächern statt, wobei ein Fach immer das Fach Mathematik oder das Fach Deutsch sein muss.

Wird das Fach Heimat- und Sachkunde auf Antrag des LAA als weiteres Fach ausgebildet, findet eine Mündliche Prüfung statt.   Mit der Zweiten Staatsprüfung erwerben die Lehramtsanwärter/innen die Befähigung für das Lehramt an Grundschulen in den Fächern Deutsch, Mathematik und in ihrem dritten sowie ggf. in einem weiteren Fach   Das Fach Heimat- und Sachkunde kann sowohl drittes oder weiteres Fach sein.

b) Ausbildungsfach Schulgarten

Die Ausbildung im Fach Schulgarten kann sowohl im Rahmen der Ausbildung im dritten Fach als auch auf Antrag des Lehramtsanwärters als Ausbildung in einem weiteren Fach erfolgen. Für die Ausbildung sind ca. 6 Fachseminare mit einem zeitlichen Umfang von je 3 Zeitstunden vorgesehen. Die Ausbildung orientiert sich an den Kompetenzfeldern der Lehrerbildungsstandards der KMK (v.a. Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Innovieren) und basiert auf dem Ausbildungscurriculum für das Fach Schulgarten an Thüringer Studienseminaren für das Lehramt an Grundschulen. Im Mittelpunkt der Seminararbeit steht neben der Vertiefung der an der Universität erworbenen fachwissenschaftlichen Grundlagen die didaktisch- methodische Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im Fach Schulgarten. Immer bedeutsamer wird hierbei der Lernort Schulgarten für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie die Integration von Schülern mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund.

An den Schulen unterrichten die Auszubildenden im Rahmen der Ausbildung im dritten Fach in der Regel wöchentlich 2- 3 Schulgartenstunden. Dabei werden sie von fachbegleitenden Lehrer/innen sowie von den Fachleiter/innen des Staatlichen Studienseminars beratend unterstützt. Im Zentrum der Unterrichtsbesuche der zuständigen Fachleiter/innen steht die personenorientierte Beratung der Lehramtsanwärter/innen. Zu den Inhalten dieser Beratungen gehören die reflexive Auseinandersetzung mit der Planung und Durchführung des gezeigten Schulgartenunterrichts. Thematisiert werden können weiterer individuelle fachwissenschaftliche, -didaktische und/ oder methodische Schwerpunkte, die sich aus der Stunde ergeben.

Benotete Lehrproben, die Praktischen sowie Mündlichen Prüfungen finden jeweils in zwei der drei Ausbildungsfächer statt, wobei ein Fach immer das Fach Mathematik oder das Fach Deutsch sein muss. Wird das Fach Schulgarten auf Antrag des LAA als weiteres Fach ausgebildet, nehmen die Lehramtsanwärter/innen an den das Fach Schulgarten betreffenden Ausbildungsveranstaltungen teil.  Den Abschluss der Ausbildung im Fach Schulgarten als weiteres Fach bildet die Mündliche Prüfung mit einem Kompetenznachweis für das Fach Schulgarten.

Der Sachunterricht als Gegenstand von Fort- und Weiterbildung

Um die Forderungen des weiterentwickelten Thüringer Lehrplans entsprechend zu erfüllen, sind auch im Rahmen der dritten Phase der Lehrerbildung die fachlichen, fachdidaktischen und diagnostischen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern zielorientiert und bildungswirksam zu fördern. Die Fortbildung reagiert dabei vor allem auf die neu formulierten Bildungsziele für den Unterricht mit dem Anspruch auf individuelle Förderung und auf den Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre. Dazu werden – koordiniert und verantwortet vor allem durch das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) – aktuell regelmäßig regionale und schulinterne Fortbildungen durch die Fachberaterinnen für das Fach Heimat- und Sachkunde angeboten. Zur Unterstützung der Unterrichtsarbeit und als Qualifizierungsangebot für Lehrerinnen und Lehrer im Fach Schulgarten bietet das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien in Kooperation mit der Universität Erfurt und den Studienseminaren im jährlichen Wechsel eine Fachtagung bzw. einen Praxistag an. Dabei stehen sowohl theoretische  Fachvorträge zur Entwicklung des Faches als auch Umsetzungsvorschläge von Praktikern für die Unterrichtsgestaltung  im Vordergrund.
Insgesamt besteht im Land Thüringen eine enge Kooperation zwischen 1.Phase, 2.Phase und 3.Phase der Lehrerbildung im Sinne einer „Unteilbaren Lehrerbildung“, die in regelmäßigen Treffen zur Abstimmung der Ausbildungscurricula, zur Diskussion und Bearbeitung aktueller Probleme der Thüringer Lehreraus- fort- und -weiterbildung sowie in kooperativ geplanten und durchgeführten Fachtagungen ihren Ausdruck findet.
Der Länderbericht wurde in gemeinsamer Arbeit von Ute Eckert (ThILLM), Kathrin Fuchs (Studienseminar Gera), Rainer Rupprecht (ThILLM), Sandra Tänzer (Universität Erfurt) und Dagmar Werner (Studienseminar Erfurt) erstellt.