Zur Situation des Sachunterrichts in Thüringen
Der Sachunterricht als Schulfach
Sachunterricht als Schulfach ist in Thüringen unter der Bezeichnung Heimat- und Sachkunde fest in der Stundentafel verankert. Die Grundschulfächer Heimat- und Sachkunde, Schulgarten, Kunsterziehung, Musik und Werken umfassen in Klasse 1, Klasse 2 und Klasse 3 insgesamt 7 bis 8 Wochenstunden. Jedes dieser Fächer muss mindestens einmal pro Woche unterrichtet werden; Werken und Schulgarten können epochal erteilt werden. In Klasse 4 werden drei Unterrichtsstunden Heimat- und Sachkunde in der Woche unterrichtet. Die Bildungsarbeit in der Thüringer Grundschule basiert im Wesentlichen auf den beiden sich gegenseitig ergänzenden Steuerungsinstrumenten:
- dem Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre
- den Thüringer Lehrplänen für die Fächer der Grundschule.
Mit dem Schuljahr 2010/11 werden die weiterentwickelten Thüringer Lehrpläne für die Grundschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang Grundschule in die Schulpraxis implementiert.
Der Sachunterricht als Studienfach an der Hochschule
Der Sachunterricht wird an der Universität Erfurt als Grundlegungsfach im BA-Studiengang mit der Hauptstudienrichtung „Pädagogik der Kindheit“ (180LP) als auch im MA-Studiengang Lehramt Grundschule (90LP) von allen Studentinnen und Studenten dieser Studiengänge (BA: ca. 250; MA: ca. 200) studiert. Im BA-Studiengang umfasst der sachunterrichtsspezifische Anteil an der Hauptstudienrichtung „Pädagogik der Kindheit“ mit dem Berufsfeldbezug Grundschule
- in der Orientierungsphase (1. Studienjahr) durch das Studium des Moduls „Einführung in die Phänomene und Didaktik kindlicher Welterkundung“ 6 LP,
- in der Qualifizierungsphase (2. und 3.Studienjahr) durch das Studium der Module „Ganzheitlich-didaktische Konzepte der Welterschließung“ und „ Vertiefung und Synthese fachwissenschaftlicher Dimensionen der Welterschließung“ 12 LP bzw. 18 LP, wenn die BA-Arbeit im Modul „Ganzheitlich-didaktische Konzepte der Welterschließung“ angefertigt wird).
Die Hauptstudienrichtung „Pädagogik der Kindheit“ muss in der Qualifizierungsphase nicht in der Variante „Grundschule“ studiert werden. Alternativ steht die Variante „vor-und außerschulische Bildung“ zur Wahl, in der fachliche Grundlagen für Berufsfelder der vor- und außerschulischen Bildung gelegt werden. Studierende, die diese Variante wählen, können aus einem Wahlpflichtmodulkatalog sachunterrichtsspezifische Module wählen:
Im MA-Studiengang Lehramt Grundschule umfasst der sachunterrichtsspezifische Anteil am Gesamtstudium mindestens 6 LP; dabei
- muss das Modul „Fachdidaktik der Heimat- und Sachkunde“ im Umfang von 6 LP studiert werden; es enthält ein Fachdidaktikseminar (2 SWS/3 LP) und ein sachunterrichtsspezifisches Schulpraktikum (3 LP) mit mindestens 45 Präsenzstunden in einer Grundschule,
- kann das Modul „Fachwissenschaftliche Vertiefung Heimat- und Sachkunde“ (6 LP) studiert werden.
Die Magisterarbeit (18 LP) kann im Sachunterricht dann geschrieben werden, wenn die Studierenden nicht das oben genannte fachwissenschaftliche Wahlmodul belegt haben.
In Thüringen wird – bundesweit einzigartig – das Fach Schulgarten unterrichtet. Die professionelle Ausbildung erfolgt im Studium im Rahmen eines sogenannten Wahlschwerpunktes innerhalb des MA-Studiengangs Lehramt Grundschule und umfasst 18 LP, aufgeteilt auf drei Module:
- Schulgarten und fachdidaktische Konzepte (6 LP)
- Biologisches Gärtnern und Schulgartenunterricht (6 LP; Seminar und fachdidaktisches Schulpraktikum)
- Ökologie und Schulgarten (6 LP).
Der Sachunterricht als Ausbildungsfach am Studienseminar
Die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter für das Lehramt an Grundschulen werden in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde zu gleichen Teilen ausgebildet sowie in einem bereits an der Universität studierten Viertfach. Im Allgemeinen Seminar wird die Ausbildung vor allem mit dem Erwerb dienstrechtlicher, bildungswissenschaftlicher bzw. pädagogischer Kompetenzen ergänzt.
Im Rahmen der 1 ½ jährigen Ausbildungszeit besuchen die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter 8 bis 10 Seminare im Fach Heimat- und Sachkunde und 5 bis 7 fachergänzende bzw. fachübergeordnete Modulveranstaltungen. Die Seminare umfassen jeweils einen zeitlichen Rahmen von 6 Zeitstunden, die Module 2 bis 3 Zeitstunden. Die Umsetzung der Lehrplanschwerpunkte, das Aufzeigen sinnvoller Vernetzungen, das Planen von Unterrichtseinheiten / Unterrichtsstunden, das Entwickeln und Erproben didaktisch- methodischer Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung stehen im Mittelpunkt der Arbeit.
An den Schulen unterrichten die Auszubildenden in der Regel wöchentlich 2 bis 3 Heimat- und Sachkundestunden. Sie werden von fachbegleitenden Lehrerinnen und Lehrerinnen unterstützt, soweit das bei dem vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur geforderten selbständigen Unterricht möglich ist. Fachleiterinnen und Fachleiter des Studienseminares führen während der Ausbildungszeit etwa 5 Beratungsbesuche im Fach Heimat- und Sachkunde durch, im Zentrum der Beratung stehen Planung, Durchführung und Reflexion des gezeigten Unterrichts. Die Ausbildungszeit endet mit dem Ablegen des Zweiten Staatsexamens.
Der Sachunterricht als Gegenstand von Fort- und Weiterbildung
Um die Forderungen des weiterentwickelten Thüringer Lehrplans entsprechend zu erfüllen, sind auch im Rahmen der dritten Phase der Lehrerbildung die fachlichen, fachdidaktischen und diagnostischen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern zielorientiert und bildungswirksam zu fördern. Die Fortbildung reagiert dabei vor allem auf die neu formulierten Bildungsziele für den Unterricht mit dem Anspruch auf individuelle Förderung und auf den Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre. Entsprechend des weiterentwickelten Thüringer Lehrplans für das Fach Heimat- und Sachkunde kommt dem problem- und handlungsorientierten Lernen sowie dem entdeckenden Lernen ein hoher Stellenwert zu. Kompetenzentwicklung im Unterricht heißt, an den Fragen, Interessen, Lernvoraussetzungen und -bedürfnissen der Kinder anzuschließen und diese differenziert zu berücksichtigen durch eine Unterrichtskultur, die sich durch die Kombination von strukturierten Lehrer – Schülergesprächen und Phasen selbstgesteuerten Lernens auszeichnet. Dazu werden - koordiniert und verantwortet vor allem durch das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) – aktuell regelmäßig fachdidaktische Lehrerfortbildungen angeboten. Fachinhaltlich liegen die Schwerpunkte der Fort- und Weiterbildung vor allem im Lernbereich Natur und Technik, u.a. durch die Erschließung von Themen wie: Schwimmen und Sinken, Rund um das Thema Wasser, Luft, Lösungen und Mischungen, Schall, Magnetismus, Lebensmittel.
Derzeit sind 6 Fachberaterinnen für das Fach Heimat- und Sachkunde thüringenweit in der regionalen und schulinternen Fortbildung tätig. Seit mehreren Jahren werden die Fachberaterinnen und Fachleiterinnen für das Fach Heimat- und Sachkunde insbesondere für naturwissenschaftliches Lernen qualifiziert. Der Aufbau der Veranstaltungen folgt einem konstruktivistischen Grundverständnis von Lernprozessen. Dazu gehört: Berücksichtigung des Vorwissens der Teilnehmerinnen und Teilnehmerinnen, viel Raum für Eigenerfahrung, gemeinsames Erklären der Experimente unter Berücksichtigung der vorhandenen Präkonzepte, das Reflektieren der eigenen Lernwege und deren Vergleich mit Schülerlernprozessen sowie Einblicke in Unterrichtsrealität.
Der Länderbericht wurde in gemeinsamer Arbeit von Ute Eckert (Thillm), Sandra Tänzer (Universität Erfurt) und Dagmar Werner (Studienseminar Erfurt) erstellt.
