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Zur Situation des Sachunterrichts in Sachsen-Anhalt

Der Sachunterricht als Schulfach

Der Sachunterricht ist eines der Kernfächer in der Grundschule und gehört zu den versetzungsrelevanten Fächern. Er ist im 1. bis 4. Schuljahr mit 3 bis 4 Wochenstunden vertreten. Eine Erweiterung der Stundenzahl wird durch die Lehrerinnen und Lehrer immer wieder be-fürwortet, kann aber derzeit nicht umgesetzt werden. Im Jahr 2005 wurde ein neuer Lehrplan eingeführt, der sich strukturell und inhaltlich am Perspektivrahmen ausrichtet und im Besonderen Inhalte des ehemaligen Schulfaches Schulgarten integriert. Der Lehrplan weist prozess- und inhaltsbezogene Kompetenzen aus und gibt den Lehrkräften deutlich mehr Planungs- und Gestaltungsspielräume. Jede Grundschule ist aufgefordert, die zentralen Lehrplanvorgaben in einem schulinternen Lehrplan zu konkretisieren. Unterstützend werden hier-zu den Lehrerinnen und Lehrern für das Fach entwickelte niveaubestimmende Aufgaben zur Verfügung gestellt, die die Anforderungen des Lehrplans bis zum Ende der Schuljahrgänge 2 und 4 in unterschiedlichen Anforderungsbereichen beschreiben.

Der Sachunterricht als Studienfach an der Hochschule

Der Studiengang "Lehramt an Grundschulen" wird in Sachsen-Anhalt ausschließlich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angeboten. Er umfasst neben erziehungswissenschaftlichen und fächerübergreifenden Studienanteilen das Studium dreier Unterrichtsfächer. Mathematik und Deutsch sind dabei verbindlich zu studieren, das Fach Sachunterricht kann als sog. Drittfach neben Musik, Sport, Evangelischer und Katholischer Religion gewählt werden. (Noch vor zwei Jahren standen auch die Fächer Kunst, Werken und Schulgarten zur Wahl, doch mit der Streichung dieser Unterrichtsfächer aus dem Fächerkanon der Grundschule in Sachsen-Anhalt reagierte die Universität auf diese bildungspolitische Entscheidung und stellte die Neuimmatrikulation in die genannten Fächer ein.) Etwa zwei Drittel aller Grundschullehramtsstudierenden wählen den Sachunterricht; hinzukommen zahlreiche Studentinnen und Studenten des Lehramtes an Förderschulen, die innerhalb ihres Studiums zwei Unterrichtsfächer aus dem Studiengang "Lehramt an Grundschulen" wählen können. Ab dem WS 2007/08 wird das Angebot der Drittfächer um Ethik, Englisch sowie Gestalten erweitert. (Das Fach Gestalten ist ein neues Schulfach in Sachsen-Anhalt, das sich inhaltlich zum Teil aus den ehemaligen Grundschulfächern Werken und Kunst zusammensetzt.) Anfragen zahlreicher bereits immatrikulierter Studentinnen und Studenten als auch potentieller Studienbewerber und -bewerberinnen machen derzeit deutlich, dass mit der Einführung von Englisch eine Interessenverschiebung zugunsten dieses Faches zu erwarten ist und der Sachunterricht seine Vormachtstellung innerhalb der Drittfächer vermutlich verlieren wird. Das Studium des Sachunterrichts umfasst 25 SWS. Ab dem WS 2007/2008 wird der Studiengang voraussichtlich modularisiert (Gesamtumfang: 210 Leistungspunkte), jedoch weiter mit einem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Auf das Studium des Sachunterrichts entfallen dann gemäß der neuen Studienstruktur 35 Leistungspunkte, die in fachwissenschaftlich akzentuierten (20 LP) und fachdidaktisch akzentuierten Modulen (15 LP) erworben werden. Das Studienfach Sachunterricht ist das einzige der studierbaren Unterrichtsfächer im Stu-diengang "Lehramt an Grundschulen", das sowohl in seinen fachwissenschaftlichen als auch fachdidaktischen Anteilen in der Verantwortung eines Arbeitsbereichs am Institut für Schul-pädagogik und Grundschuldidaktik der Philosophischen Fakultät III der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg liegt. Bislang wurde der Sachunterricht durch eine eigene Professur vertreten. Hochschulpolitische Strukturentscheidungen haben jedoch dazu geführt, dass die Professur im Rahmen der Neuausschreibung eine Doppeldenomination erfahren hat und mit der Didaktik des Englischunterrichts an Grundschulen gekoppelt wurde.

Der Sachunterricht als Ausbildungsfach am Studienseminar

Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter für das Lehramt an Grundschulen werden in den Unterrichtsfächern Deutsch und Mathematik sowie in einem der bereits an der Universi-tät studierten Drittfächer, z.B. dem Sachunterricht, sowie im Bereich Pädagogik ausgebildet. Sachunterricht ist unter den gewählten Wahlfächern das prozentual stärkste Ausbildungs-fach; es wird von mehr als der Hälfte aller Lehramtsanwärter und -anwärterinnen gewählt. Diese erhalten in der Woche zwei Stunden fachdidaktische Ausbildung am Seminar und un-terrichten ca. 3-4 Stunden in der Schule. Die zweijährige Ausbildung endet mit dem Ablegen der 2. Staatsexamensprüfung. Die Einstellungschancen für ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen mit dem Wahlfach Sachunterricht sind um einiges schlechter als die Chancen von gezielt in Musik, Sport oder Gestalten - den sog. "Mangelfächern" - ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen. Hier spielt auch die Abschlussnote des 2.Staatsexamens nur eine untergeordnete Rolle.

Der Sachunterricht als Gegenstand von Fort- und Weiterbildung

Die Integration des Faches Schulgarten in den Sachunterricht spiegelt sich vor allem in den Fortbildungsveranstaltungen des Landes wider, wo Themen aus dem Bereich Schulgarten vermehrt angeboten werden. Aber auch die im neuen Lehrplan formulierten prozessbezogenen Kompetenzen wie Experimentieren, Präsentieren oder Arbeit mit neuen Medien spielen thematisch eine größere Rolle als bisher und werden von Sachunterrichtslehrerinnen und -lehrern gezielt nachgefragt. Besondere Bedeutung fällt darüber hinaus dem Projekt SINUS-Transfer Grundschule zu, in dessen Rahmen regelmäßige und umfassende Fortbildungsveranstaltungen für Fachmoderatoren und Fachmoderatorinnen stattfinden.

Sandra Tänzer