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Zur Situation des Sachunterrichts in Hamburg

Stand: April 2014
Kerstin Michalik/Elke Keßler

1. Schule und Schuladministration

1.1 Schuladministration

In Hamburg liegt die ministerielle, fachliche Verantwortung für die einzelnen Schulfä-cher in der Hand von FachreferentInnen (jeweils für Klasse 1-13). Die Fachreferen-tInnen sind in Hamburg in der Regel abgeordnete Lehrkräfte aus den Hamburger Schulen.
Der Sachunterricht nimmt dabei eine Sonderstellung ein. In der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) ist das Fachreferat Sachunterricht formal dem MINT-Referat (Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Informatik) in der Abteilung B5 „Gestaltung von Schul- und Unterrichtsentwicklung“ zugeordnet. Themenbezogen findet eine Zusammenarbeit mit den Fachreferenten aus dem Referat „Gesell-schaftswissenschaften“ statt.

1.2 Rahmenpläne für den Sachunterricht

In Hamburg führten die Schulreformbestrebungen der vergangenen 10 Jahre zu ei-ner Vielzahl verschiedener Rahmenpläne, die z.T. nur als Entwurf, als Arbeitsfassung oder zur Erprobung vorlagen bzw. kurz nach der Einführung wieder außer Kraft gesetzt wurden.

Der Rahmenplan Sachunterricht von 2003 wurde im Jahr 2008 überarbeitet. Diese nicht offiziell in Kraft getretene Arbeitsfassung war auf die Formulierung von Kompe-tenzbereichen bei gleichzeitiger Reduzierung der verbindlichen Inhalte ausgerichtet. Diese Fassung war zur Erprobung freigegeben und sollte zum 01.08.2008 in Kraft treten.

Nach dem Regierungswechsel beschloss die Koalition aus CDU und Grünen am 17.04.2008 die Einführung einer sechsjährigen Primarschule zum Schuljahr 2010/11.
Im Rahmen dieser geplanten Schulreform wurde das Fach Sachunterricht auf die Klassenstufen 1-3 beschränkt. Für die Klassen 4-6 erfolgt eine Aufteilung in den „Lernbereich Naturwissenschaften und Technik“ und den „Lernbereich Gesell-schaftswissenschaften“. Die drei verschiedenen Rahmenpläne wurden im „Landesin-stitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung“ von verschiedenen Fachreferaten er-stellt und traten zum 01.08.2010 in Kraft.

Per Volksentscheid wurde die Einführung der Primarschule zu Beginn der Sommer-ferien am 18.07.2010 gestoppt. Die Primarschulpläne behielten ihre Gültigkeit nur im Schuljahr 2010/2011 und wurden durch diverse Rechtsverordnungen und Ergänzun-gen geregelt.

Der neue, aktuell gültige kompetenzorientierte Rahmenplan Sachunterricht für die Jahrgänge 1-4 trat zum 01.08.2011 in Kraft. 

Der aktuelle Rahmenplan wurde - wie auch die Vorgängerversionen -  verfasst unter der Federführung der Fachreferentin für Sachunterricht der Schulbehörde Hamburg. Beteiligt waren VertreterInnen der Sachunterrichts-Fachdidaktik an der Universität Hamburg, der Sachunterrichts-Fortbildner des LI-Hamburg sowie Lehrkräfte aus den Hamburger Grundschulen. Dadurch wird eine abgestimmte Aus- und Fortbildung im Sachunterricht in Hamburg gewährleistet.

Bei der Entwicklung dieses Rahmenplanes wurde der jeweils aktuelle Diskussions-stand der Überarbeitung des neuen Perspektivrahmens der GDSU (2013) berück-sichtigt. Zentral ist eine Festlegung auf die Kompetenzbereiche „Orientierung in der Welt“, Erkenntnisgewinnung“ und „Urteilsbildung“. Diese Kompetenzbereiche wurden gewählt, um – im Sinne einer kontinuierlichen Lernentwicklung -  eine möglichst gro-ße und einheitliche Überschneidung mit den Kompetenzanforderungen in der Se-kundarstufe I zu gewährleisten. Innerhalb der Kompetenzbereiche werden jeweils Anforderungen aus den einzelnen Perspektiven festgelegt. Für das Ende der Jahr-gangsstufe 2 sind, wie in allen Hamburger Rahmenplänen, Beobachtungsfragen for-muliert. Für das Ende der Jahrgangsstufe 4 werden Regelanforderungen beschrie-ben. Neben einigen perspektivübergreifend zu gestaltenden Unterrichtsvorhaben werden vor allem Versuche zu naturwissenschaftlichen-technischen Phänomenen verbindlich vorgeschrieben.

Zu den didaktischen Besonderheiten gehören verpflichtende „nachdenkliche Gesprä-che“ im Sinne des Philosophierens mit Kindern und das forschende Lernen als Un-terrichtsprinzip.

In den vergangenen Jahren wurden die Kontingentstunden für den Sachunterricht etwas erhöht, um vor allen in den Jahrgängen 3 und 4 mehr Zeit für das forschende naturwissenschaftliche Lernen zur Verfügung zu stellen. Vorgesehen sind mindes-tens 15 Wochenstunden in den Jahrgängen 1- 4.


1.3 Ergänzende Veröffentlichungen

Im Sommer 2011 wurde vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung ergänzend umfangreiche „Hinweise und Erläuterungen zum Rahmenplan Sachunter-richt in der Grundschule“ herausgegeben, die sich an FachleiterInnen, Fachkonfe-renzen, kollegiale Planungsgruppen und individuelle LehrerInnen richten. Enthalten sind Erläuterungen zu den Fachperspektiven und den Kompetenzbereichen, Arbeits-hilfen für die Planung und Gestaltung von kompetenzorientiertem Sachunterricht so-wie zwei ausführliche Praxisbeispiele.
Veröffentlich wurde ebenfalls ein Beispiel-Curriculum für den Sachunterricht sowie darauf abgestimmte Unterrichtsskizzen und ausgearbeitete Unterrichtsvorhaben.

1.4 Vernetzung

Seit einigen Jahren wird in Hamburg eine Verzahnung der Aus- und Fortbildung an-gestrebt. Diese findet vor allem im Bereich des universitären Kernpraktikums statt, indem die DozentInnen mit den Fachseminarleitungen aus der ersten Phase der Leh-rerInnenausbildung kooperieren.

Um sich über die Herausforderungen und die Qualität des Sachunterrichts in Ham-burg auszutauschen, wurde Ende 2011 die AG „Sachunterricht in Hamburg“ ins Le-ben gerufen. Dort  treffen sich die Sachunterrichts-Dozentinnen der Universität Ham-burg (u.a. Prof. Dr. Michalik), Fachseminarleitungen der 2. Phase, der Sachunter-richts-Fortbildner des LI-Hamburg (Martin Kelpe) sowie die Fachreferentin Sachun-terricht der BSB (Elke Keßler) in regelmäßigen Abständen und entwickeln Hand-lungsoptionen zur Qualitätssteigerung des Sachunterrichts.


2. LehrerInnenbildung

2.1  Universitäre LehrerInnenbildung
Im Rahmen der neuen, seit dem Wintersemester 2008/09 eingeführten BA/MA-Studiengänge ist der Sachunterricht an der Universität Hamburg ein Wahlpflichtmo-dul im Studiengang Erziehungswissenschaft für das Lehramt LAPS (Lehramt der Primar- und Sekundarstufe I) und das Lehramt LAS (Lehramt an Sonderschu-len/Sonderpädagogik).

Sachunterricht kann nicht als eigenständiges Studienfach studiert, wohl aber inner-halb der Erziehungswissenschaften/Grundschulpädagogik als ein Lernbereich im Wahlpflichtbereich neben den Bereichen „Bewegung, Spiel und Sport“, „Bildende Kunst“, „Englisch in der Grundschule“, „Musik“, „Religion und „Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel“ angewählt werden. Er hat im Studium im Unterschied zur Schulpraxis nicht denselben Status wie der mathematische oder sprachliche An-fangsunterricht (verpflichtende Teilnahme). Der Besuch von Sachunterrichtsveran-staltungen ist optional und dann lediglich im Umfang von 12 Leistungspunkten ver-bindlich. Dennoch wird er von der Mehrheit der Studierenden (rund ein Drittel aller Studierenden) angewählt.

Das entsprechende Modul „Lernbereich Sachunterricht“ (12 LP) besteht aus drei Lehrveranstaltungen, einer Vorlesung mit Übung/Tutorium (2 SWS), einer einführen-den Veranstaltung (2 SWS) und einer weiterführenden Veranstaltung mit Praxisbe-zug (3 SWS). Die zuvor bestehende Aufteilung des Sachunterrichts in die drei Berei-che Gesellschaft, Natur und Technik ist aufgehoben.

Studierende müssen ein 4-wöchiges (integriertes) Schulpraktikum im 5. BA-Semester (mit 8 LP) absolvieren. Je nach Angebot kann das Thema sich auf den Sachunterricht beziehen.
Im 3. MA-Semester ist der Teil des „Kernpraktikums“ (mit 15 LP) vorgesehen, der sich auf die Grundschule bezieht (Kernpraktikum II). Es kann der Lernbereich Sach-unterricht als maßgebend für diesen Praktikumsteil gewählt werden, sofern der Lern-bereich im BA absolviert wurde.

 Der Sachunterricht ist an der Universität Hamburg wie folgt ausgestattet:

– Eine Professur
– Eine halbe Wissenschaftliche MitarbeiterInnenstelle
– Eine halbe Wissenschaftliche MitarbeiterInnenstelle mit Schwerpunkt Lehre
– Lehrbeauftragte (bedarfsorientiert)


2.2 Zweite Phase

Die Ausbildung für das „Lehramt an der Primarstufe und Sekundarstufe I“ (LAPS) und das „Lehramt an Sonderschulen“ (LAS) dauert 18 Monate. Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst für das „Lehramt an der Primarstufe und Sekundarstufe I“ wer-den an der Grundschule und der Sekundarstufe I ausgebildet.
Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst der Sonderschulen/Sonderpädagogik werden ebenfalls an zwei Schulen, teilweise in spezifischen Sonderschulen/Förderschulen und in der Inklusion ausgebildet.

Seit einigen Jahren gibt es wieder Fachseminare für Sachunterricht. Dort werden ausschließlich Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) ausgebildet, die die Bezugs-fächer Biologie, Geschichte, Geografie, Sozialwissenschaften oder in anderen Bun-desländern das Fach Sachunterricht studiert haben.

Lehrkräfte mit den Studienfächern Physik oder Chemie werden nicht dem Fachsemi-nar Sachunterricht zugeordnet, da diese Fächer in der Sekundarstufe I Mangelfächer sind.
Die Ausbildung für den Sachunterricht orientiert sich also immer noch an der Fä-cherwahl für die Sekundarstufe. Irrelevant ist dabei, ob Sachunterricht in der ersten Phase als Lernbereich studiert wurde oder nicht. Um eine Anschlussmöglichkeit in der zweiten Phase herzustellen, wird den Studierenden jedoch umgekehrt in der uni-versitären Ausbildung empfohlen, Sachunterricht bevorzugt dann als Lernbereich zu belegen, wenn sie gleichzeitig eines der genannten Bezugsfächer studieren.
Das Fachseminar Sachunterricht umfasst 48 Stunden Seminarzeit. Verbindliche In-halte sind u.a.: Didaktische Grundsätze des Sachunterrichts, die fünf Perspektiven, perspektivübergreifende Unterrichtsplanung, Handlungsorientierung, außerschuli-sches Lernen und das Philosophieren mit Kindern.


2.3 Fortbildungen

Im Rahmen des Arbeitszeitmodelles sind in Hamburg der Besuch von insgesamt 30 Stunden Fortbildung im Jahr und ein persönliches Fortbildungsportfolio für jede Lehr-kraft verbindlich. Diese teilen sich auf in schulinterne (kollegiale) und individuell wählbare Fortbildungen.
Angeboten werden am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung fachli-che Fortbildungen zu den Unterrichtsvorhaben des Beispielcurriculums, zu denen entweder eigene abgestimmte Unterrichtsmaterialien entwickelt wurden oder vor-handene Materialkisten seitens der Behörde kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Es finden außerdem FachleiterInnen-Treffen zu allgemeinen, übergreifenden The-men, Fortbildungen zu Methodenkompetenzen sowie zu außerschulischen Lernorten statt.
Auch für schulinterne Fortbildungen zum Sachunterricht bestehen seitens des Lan-desinstitutes abrufbare Angebote, die gut angenommen werden.
Insgesamt fällt die personelle Ausstattung der Fortbildung mit 0,5 Stellenanteilen sehr gering aus für die vielfältigen notwendigen Aufgaben der Sachunterrichtsfortbil-dung, wenn man den hohen Anteil der fachfremd Unterrichtenden berücksichtigt.


Zusammenfassung

Der Sachunterricht wird in Hamburg als Kernfach verstanden, für die inhaltliche Aus-richtung (z.B. Rahmenplan, Fortbildungen) findet der überarbeitete Perspektivrah-men von 2013 deutliche Berücksichtigung.

Durch die enge Vernetzung aller Verantwortlichen für den Sachunterricht (seitens der Behörde, der Universität und des Landesinstitutes) ist eine abgestimmte und kontinu-ierliche Aus- und Fortbildung möglich.

Der Stellenwert des Sachunterrichts im Rahmen der universitären Ausbildung ist ge-ring. Hier ist Sachunterricht lediglich als optionaler Studienbestandteil von geringem Umfang vorgesehen, der im Verlauf des BA-Studiums gewählt wird. Bei der BA-MA Umstellung der Struktur des Studiengangs „Lehramt Primar- und Sekundarstufe I“ wurden die bisherigen Studienanteile und die Zuordnung des Sachunterrichts zu den Lernbereichen beibehalten.

Für die zweite Phase lässt sich eine strukturelle Stärkung feststellen. Im Jahr 2014 gibt es 4 Fachseminare für den Sachunterricht. Problematisch sind allerdings die Zu-gangsvoraussetzungen zum Fachseminar Sachunterricht, da weder ein Fachstudium noch der Besuch des Lernbereiches Sachunterricht notwendig sind. Dadurch kommt es zu einer Verdichtung der Ausbildung in der zweiten Phase bei verkürzter Ausbil-dungsdauer auf 18 Monate, die einem Zusatzstudium gleicht.

Die Sachunterrichts-Fortbildung orientiert sich eng an den Rahmenvorgaben und trägt dazu bei, die Schulen bei der Implementation der Bildungspläne und der Ent-wicklung kompetenzorientierter Unterrichtsvorhaben zu unterstützen. Die Schulen benötigen vor allem Fortbildungen und Materialausstattung für das naturwissen-schaftlich-technische Lernen, was jedoch zusätzliche Ressourcen erfordert.


 Links

aktuell gültiger Rahmenplan Sachunterricht, Hamburg 2011:
http://www.hamburg.de/contentblob/2481914/data/sachunterricht-gs.pdf

„Hinweise und Erläuterungen zum Rahmenplan Sachunterricht“
http://li.hamburg.de/contentblob/3850814/data/pdf-grundschule-sachunterricht.pdf

Beispiel-Curriculum Sachunterricht
http://www.hamburg.de/contentblob/3523144/data/sic-sachunterricht-g.pdf

Planungsskizzen für Unterrichtsvorhaben
http://www.hamburg.de/contentblob/3523146/data/su-planungsskizzen.pdf

Fachseminar Sachunterricht
http://li.hamburg.de/arbeitslehre-sachunterricht/

Fortbildung am LI-Hamburg
http://li.hamburg.de/sachunterricht/

Hamburger Bildungsserver – Sachunterricht
http://bildungsserver.hamburg.de/sachunterricht/

Schulgesetz Hamburg
http://www.hamburg.de/contentblob/1995414/data/schulgesetzdownload.pdf

Fachspezifische Bestimmungen der Universität Hamburg für das Modul Lernbereich Sachunterricht
http://www.uni-hamburg.de